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Die letzte Etappe...

Hallo ihr Lieben,

ich bins mal wieder. Mei is des her, seitdem ich meinen letzten Blogeintrag geschrieben habe. Jetzt wurde es aber allerhöchste Zeit!
In den letzten Wochen ist ganz schön viel passiert. Aber ich fange ganz von Anfang an: Aaaaalso:
Nachdem ich mit meinen Eltern in Cornwall war hat mich eine fiese Heimwehattacke eingeholt. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen noch drei Monate den gleichen Job zu machen. Jeden Tag die Kinder. Jeden Tag London. Ich wollte einfach nur noch heim, aber ich hab mich zusammengerissen und seitdem geht's wieder.
Tja dann musste ich mich um ein krankes Kind kümmern, was ich ganz schrecklich fand, denn kranke Kinder wollen nun mal nichts anders als ihre Mummys, naja und die ging natürlich arbeiten. Also musste ich zwei Tage lang von morgens bis abends Wadenwickel legen, Suppe kochen, vorlesen, Medizin verabreichen und Fieber messen. Da bin ich mal wieder völlig unvorbereitet reingeschlittert und mir war gar nicht wohl die Verantwortung für so einen kleinen Krankenfall zu übernehmen. Habs aber erfolgreich gemeistert!
Ja und am Samstag vor zwei Wochen habe ich mit der Julia und der Jenny in Heathrow getroffen. Die beiden sind von ihrer Weltreise zurückgekommen und hatten einen kurzen Aufenthalt in London. Irgendwie war das total cool die beiden wiederzusehen, nach so langer Zeit. ich kann euch sagen, die waren vielleicht braun, Mirya und ich sind sowas von neidisch geworden... Leider konnten wir aber nicht allzuviel Zeit miteinander verbringen, weil der Flieger Verspätung hatte und die beiden bald wieder zum ihrem Gate mussten. Danach war ich etwas bedröppelt weil ich mir einfach vorgestellt habe, wie Julias Familie, die ich ja auch schon ziemlich lange kenne, alle völlig aufgeregt am Münchener Flughafen auf sie gewartet haben. Irgendwie wollte ich auch heim zu meiner Familie, aber Mirya hat mich ganz fest an die Hand gepackt und gesagt: Kathi, dich lass ich noch nicht gehen! Wir fliegen beide am 1.Juli heim und nicht früher. Na gut, dachte ich mir und bin ihr breitwillig gefolgt. Abends haben wir uns dann noch den Bauch beim Italiener vollgeschlagen und „The Holiday“ angeschaut. Bei Jude Laws Anblick ging's mir schlagartig besser.
Am Montag war ich dann abends auf einer Lesung in unserem Bookshop. Marina Lewycka (Die Geschichte eines Traktors auf Ukrainisch) hat ihr neues Buch „Two Caravans“ vorgestellt und mir sogar eins signiert. Die Lesung an sich war ziemlich cool, lauter betrunkene Briten (es wurde Rotwein ausgeschenkt!) und unheimlich viele pseudo- intelektuelle Gespräche über Gastarbeiter in UK- ein ziemlich toller Abend.
Die folgenden Tage durfte ich mich dann von morgens bis abends um Jemima kümmern. Wozu brauchen Kinder überhaupt Ferien??? In der Schule sind sie wenigstens aufgeräumt. ich hatte jedenfalls alle Hände voll zu tun, denn dieses Kind kann sich einfach nicht selbst beschäftigen. An alle Mädels: Was haben wir denn mit 7 Jahren gespielt???? Wir konnten uns doch von morgens bis abends mit unseren Barbies beschäftigen oder? In diesem Haushalt existiert leider nichts dergleichen, also mussten wir uns Spiele ausdenken. Ich bin in nichts schlechter, ehrlich! Manchmal frag ich mich echt, warum gerade ich Au Pair geworden bin!?
Aber am Donnerstag kam die Rettung: David ist gekommen, jaaaaah!
Leider konnten wir den ganzen Tag nicht wirklich etwas unternehmen und mussten uns um Jemima kümmern. Doch am Freitag ging's gleich los: Portobello Road, Picadilly Circus, Trafalgar Square, Leicester Square, National Gallery, Soho, Chinatown, Hyde Park. So ähnlich spielten sich auch die nächsten Tage ab.
Kurze Zusammenfassung: Camden, British Museum, Covent Garden, Royal Albert Hall, Harrods, Westminster Abbey, Big Ben, Globe, Tate, St. Paul´s, Tower, Tower Bridge, Highgate Cemetery, Abbey Road, Buckingham Palace, British Library und Brighton.
Jaa, richtig, wir waren in Brighton! Und waren echt enttäuscht! Ich hatte es mir toller und spektakulärer vorgestellt. Brighton ist eine einzige Touristenhochburg und mehr nicht. Aber das Meer war geil und wir sind ordentlich braun geworden....
Gestern ist David dann wieder gefahren, was wahrscheinlich ganz gut war, denn zum Ende hin haben wir uns schon etwas gezankt.
Tja und jetzt bin ich wieder allein. Die Family ist in Devon im Wochenendhaus und kommt erst am Sonntag wieder. Wenigstens etwas Ruhe.
Am Montag geht's dann wieder in alter Frische los und dann sind es nur noch zweieinhalb Monate und ich bin wieder in München!
Mann, wie ich mich auf euch alle freue!
Liebe Grüße, eure Kathi

14.4.07 17:52, kommentieren

Ein turbulentes Wochenende


Hallo meine Lieben,
ich hab euch vielleicht viel zu erzählen- ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll!!
Also letzten Sonntag war ich das erste mal in meinem Leben in einem Musical, „The Lion King“. Und ich kann euch sagen, das war das schönste was ich bis jetzt gesehen habe!!!
Einfach alles hat gestimmt: die Kostüme, die Musik und die Special Effects. Man wurde alle paar Minuten wieder von etwas neuem überrascht. Auf einmal seilten sich total unerwartet Tänzer von der Decke , die in der Luft völlig unbeschwert komplizierte Verrenkungen machten. Oder es kamen Tiere durch das Publikum auf die Bühne. Ich kann euch sagen, ich habe mich vielleicht erschreckt, als auf einmal ein Elefant neben mir stand. In den Logen über mir gaben die Percussionisten ihr bestes, während der Dirigent (2 Meter Luftlinie von mir entfernt) sich völlig verausgabte.
Ich hatte ununterbrochen Gänsehaut und am Ende echt Tränen in den Augen. Wenn ihr nur irgendwie könnt, dann schaut euch dieses Musical mal an!
Die Woche verlief dann relativ ereignislos. Ich habe nur mal wieder gemerkt, wie sehr mich die Arbeit allmählich langweilt und mein Durchhaltevermögen langsam aber sicher wirklich strapaziert wird. Es reicht, ich freue mich so auf daheim. Auf München und natürlich auf euch!!!
Am Freitag bin ich kurz entschlossen nach Kew Gardens gefahren, Londons Botanischer Garten, der übrigens sehr gut mit unserem in München mithalten kann und gar nicht so besonders ist, wie alle behaupten. Wer das Eden Project in Cornwall gesehen hat, wird sowieso nicht mehr so schnell von irgendwas anderem beeindruckt sein. Aber zurück zu Kew Gardens: ein riesengroßer Park mit vereinzelten viktorianischen Gewächshäusern und verdammt vielen Parkbänken, die alle mit sehr romantischen Widmungen versehen sind. „ In memory of Jane Smith, who loved this garden.“
Das Wetter war ganz gut, ich hatte ein kleines Picknick dabei und sehr viel zu lesen. Ich war jedenfalls den ganzen Tag dort beschäftigt, was auch gut war, denn sonst hätte sich der Eintritt echt nicht gelohnt! (13 Pfund!!!)
Abends bin ich dann zu Ingrid, die mal wieder babysitten musste. Wir haben uns erstmal ordentlich Fish&Chips gegönnt und uns dann mit Miri einen gemütlichen DVD-Abend gemacht. Da Ingrids Gasteltern sie unverschämterweise über Nacht mit den drei Kindern allein gelassen haben, weil sie auf eine ach-so-wichtige-holländische-society-party eingeladen waren, habe ich mich dazu bereiterklärt, ihr „moral support“ zu geben und bei ihr zu schlafen. Freunde, das sollte eine ereignisreiche Nacht werden, das kann ich euch verraten!!! Alles fing damit an, dass Katinka, die Gastmutter sich nicht einmal gemeldet hat, um sich zu erkundigen, wie es dem Baby und den Mädchen geht!! Hauptsache Party, gell!? Das nächste Ding war, dass ich in Ingrids Bett schlafen sollte und sie in Willems. Dazu muss man sagen (Ingrid fett-sorry, aber ich bin ehrlich): Du hast das ungemütlichste Bett in dem ich je geschlafen habe. Man spürt jede einzelne Feder, die sich in alle möglichen Organe bohren, während man versucht irgend eine gemütliche Schlafposition zu finden. An Schlafen war sowieso nicht zu denken, da das Haus genau neben der Tubestation Parsons Green steht und man die Züge die ganze Zeit über ein- und ausrauschen hört. Ich will nicht wissen, wie oft ich in dieser Nacht den Satz „Mind the gap, mind the closing doors!“ gehört habe. Als würde das nicht schon reichen, fing um drei Uhr morgens Willem das Plärren an. Er wollte einfach nicht mehr aufhören. Um weiteren moral support zu schenken, bin ich erst mal runter und traf auf eine völlig gelassene Ingrid, die mir erst mal völlig pragmatisch erklärte: „Ach der hört schon wieder auf, geh wieder schlafen!“ Hahahahahahahahahaha, schlafen???????? Das Plärren ging natürlich weiter....
Vor lauter Erschöpfung muss ich dann doch eingeschlafen sein und wurde schließlich von Veras Singen morgens um viertel nach sechs wach. In diesem Moment hätte ich echt morden können! Naja nach dem Frühstück habe ich mich dann auch aus dem Staub gemacht, um eilig in mein eigenes Bett zu krabbeln.
Nachmittags bin ich dann mit den Mädels nach Highgate gefahren, genauer zum Highgate Cemetery, einer der berühmtesten viktorianischen Friedhöfe, die dieses Land zu bieten hat. Nach einer schier endlos langen Fahrt (wir wurden mal wieder daran erinnert, dass London eine Metropole ist, in der man von Süd nach Nord länger als eine halbe Stunde braucht). Dort war es übrigens sehr toll, ich kannte ihn schon, weil ich bereits mit David schon mal da war- wegen Karl Marx, der dort begraben liegt. Die Grabsteine stehen irgendwie kreuz und quer in der Gegend rum und man muss irre aufpassen, dass man nicht stolpert. Die Inschriften sind hauptsächlich unleserlich und ansonsten mit Büschen und Wurzeln überrankt.
Alles ist sehr verwunschen, überall wachsen Wildblumen und es ist ganz still dort, man hört nur die Vögel. Dort liegen Menschen schon seit 100 Jahren und man wird auf Dauer ziemlich depressiv, weil man sich mit dem Tod auseinandersetzt und einem die vielen Menschen leid tun, die dort liegen, keiner kennt sie mehr, keiner erinnert sich mehr an sie.
Reichlich geknickt sind wir dann zu mir gefahren, weil ich sturmfrei hatte. Das schrie einfach nach einer Cheesy Bites und nach Ben und Jerry´s. Wir haben auch nicht lange durchgehalten und ziemlich schnell eingeschlafen.
Sonntag sind wir sehr früh aufgestanden, weil wir uns ja den London Marathon nicht entgehen lassen wollten. Wir also in Allerherrgottsfrühe (schreibt man das so???) auf nach Canda Water und uns unters Volk gemischt. Als erstes kamen die Rollstuhlfahrer vorbei und schließlich nach einiger Zeit des Ausharren, zu Tausenden die Männer und Frauen, die sich alle entschlossen hatten für eine gute Sache 26 Meilen zu laufen. Das ist nämlich die Voraussetzung, um teilzunehmen. Man muss für eine Wohltätigkeitsorganisation laufen, der man dann sein Preisgeld schenken kann. Freunde, das war schon beeindruckend, wie da 55000 Menschen an einem vorbeigelaufen sind, teilweise irre witzig verkleidet, aber hauptsächlich total am Ende, weil es dermaßen heiß heute war. Wir haben jedenfalls alle ordentlich angefeuert, wie sich das für Londoner gehört!!

Ach ihr Lieben, das war wirklich ein turbulentes Wochenende und ich weiß jetzt schon, ich werde morgen so fertig sein und mir ganz schnell das nächste Wochenende herbeisehnen.
Ich hoffe es geht euch allen gut! Ihr fehlt mir, aber sind es nur noch 70 Tage oder 10 Wochen, also echt zu schaffen!
Bis ganz bald! Eure Kathie

23.4.07 12:19, kommentieren