Ein turbulentes Wochenende


Hallo meine Lieben,
ich hab euch vielleicht viel zu erzählen- ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll!!
Also letzten Sonntag war ich das erste mal in meinem Leben in einem Musical, „The Lion King“. Und ich kann euch sagen, das war das schönste was ich bis jetzt gesehen habe!!!
Einfach alles hat gestimmt: die Kostüme, die Musik und die Special Effects. Man wurde alle paar Minuten wieder von etwas neuem überrascht. Auf einmal seilten sich total unerwartet Tänzer von der Decke , die in der Luft völlig unbeschwert komplizierte Verrenkungen machten. Oder es kamen Tiere durch das Publikum auf die Bühne. Ich kann euch sagen, ich habe mich vielleicht erschreckt, als auf einmal ein Elefant neben mir stand. In den Logen über mir gaben die Percussionisten ihr bestes, während der Dirigent (2 Meter Luftlinie von mir entfernt) sich völlig verausgabte.
Ich hatte ununterbrochen Gänsehaut und am Ende echt Tränen in den Augen. Wenn ihr nur irgendwie könnt, dann schaut euch dieses Musical mal an!
Die Woche verlief dann relativ ereignislos. Ich habe nur mal wieder gemerkt, wie sehr mich die Arbeit allmählich langweilt und mein Durchhaltevermögen langsam aber sicher wirklich strapaziert wird. Es reicht, ich freue mich so auf daheim. Auf München und natürlich auf euch!!!
Am Freitag bin ich kurz entschlossen nach Kew Gardens gefahren, Londons Botanischer Garten, der übrigens sehr gut mit unserem in München mithalten kann und gar nicht so besonders ist, wie alle behaupten. Wer das Eden Project in Cornwall gesehen hat, wird sowieso nicht mehr so schnell von irgendwas anderem beeindruckt sein. Aber zurück zu Kew Gardens: ein riesengroßer Park mit vereinzelten viktorianischen Gewächshäusern und verdammt vielen Parkbänken, die alle mit sehr romantischen Widmungen versehen sind. „ In memory of Jane Smith, who loved this garden.“
Das Wetter war ganz gut, ich hatte ein kleines Picknick dabei und sehr viel zu lesen. Ich war jedenfalls den ganzen Tag dort beschäftigt, was auch gut war, denn sonst hätte sich der Eintritt echt nicht gelohnt! (13 Pfund!!!)
Abends bin ich dann zu Ingrid, die mal wieder babysitten musste. Wir haben uns erstmal ordentlich Fish&Chips gegönnt und uns dann mit Miri einen gemütlichen DVD-Abend gemacht. Da Ingrids Gasteltern sie unverschämterweise über Nacht mit den drei Kindern allein gelassen haben, weil sie auf eine ach-so-wichtige-holländische-society-party eingeladen waren, habe ich mich dazu bereiterklärt, ihr „moral support“ zu geben und bei ihr zu schlafen. Freunde, das sollte eine ereignisreiche Nacht werden, das kann ich euch verraten!!! Alles fing damit an, dass Katinka, die Gastmutter sich nicht einmal gemeldet hat, um sich zu erkundigen, wie es dem Baby und den Mädchen geht!! Hauptsache Party, gell!? Das nächste Ding war, dass ich in Ingrids Bett schlafen sollte und sie in Willems. Dazu muss man sagen (Ingrid fett-sorry, aber ich bin ehrlich): Du hast das ungemütlichste Bett in dem ich je geschlafen habe. Man spürt jede einzelne Feder, die sich in alle möglichen Organe bohren, während man versucht irgend eine gemütliche Schlafposition zu finden. An Schlafen war sowieso nicht zu denken, da das Haus genau neben der Tubestation Parsons Green steht und man die Züge die ganze Zeit über ein- und ausrauschen hört. Ich will nicht wissen, wie oft ich in dieser Nacht den Satz „Mind the gap, mind the closing doors!“ gehört habe. Als würde das nicht schon reichen, fing um drei Uhr morgens Willem das Plärren an. Er wollte einfach nicht mehr aufhören. Um weiteren moral support zu schenken, bin ich erst mal runter und traf auf eine völlig gelassene Ingrid, die mir erst mal völlig pragmatisch erklärte: „Ach der hört schon wieder auf, geh wieder schlafen!“ Hahahahahahahahahaha, schlafen???????? Das Plärren ging natürlich weiter....
Vor lauter Erschöpfung muss ich dann doch eingeschlafen sein und wurde schließlich von Veras Singen morgens um viertel nach sechs wach. In diesem Moment hätte ich echt morden können! Naja nach dem Frühstück habe ich mich dann auch aus dem Staub gemacht, um eilig in mein eigenes Bett zu krabbeln.
Nachmittags bin ich dann mit den Mädels nach Highgate gefahren, genauer zum Highgate Cemetery, einer der berühmtesten viktorianischen Friedhöfe, die dieses Land zu bieten hat. Nach einer schier endlos langen Fahrt (wir wurden mal wieder daran erinnert, dass London eine Metropole ist, in der man von Süd nach Nord länger als eine halbe Stunde braucht). Dort war es übrigens sehr toll, ich kannte ihn schon, weil ich bereits mit David schon mal da war- wegen Karl Marx, der dort begraben liegt. Die Grabsteine stehen irgendwie kreuz und quer in der Gegend rum und man muss irre aufpassen, dass man nicht stolpert. Die Inschriften sind hauptsächlich unleserlich und ansonsten mit Büschen und Wurzeln überrankt.
Alles ist sehr verwunschen, überall wachsen Wildblumen und es ist ganz still dort, man hört nur die Vögel. Dort liegen Menschen schon seit 100 Jahren und man wird auf Dauer ziemlich depressiv, weil man sich mit dem Tod auseinandersetzt und einem die vielen Menschen leid tun, die dort liegen, keiner kennt sie mehr, keiner erinnert sich mehr an sie.
Reichlich geknickt sind wir dann zu mir gefahren, weil ich sturmfrei hatte. Das schrie einfach nach einer Cheesy Bites und nach Ben und Jerry´s. Wir haben auch nicht lange durchgehalten und ziemlich schnell eingeschlafen.
Sonntag sind wir sehr früh aufgestanden, weil wir uns ja den London Marathon nicht entgehen lassen wollten. Wir also in Allerherrgottsfrühe (schreibt man das so???) auf nach Canda Water und uns unters Volk gemischt. Als erstes kamen die Rollstuhlfahrer vorbei und schließlich nach einiger Zeit des Ausharren, zu Tausenden die Männer und Frauen, die sich alle entschlossen hatten für eine gute Sache 26 Meilen zu laufen. Das ist nämlich die Voraussetzung, um teilzunehmen. Man muss für eine Wohltätigkeitsorganisation laufen, der man dann sein Preisgeld schenken kann. Freunde, das war schon beeindruckend, wie da 55000 Menschen an einem vorbeigelaufen sind, teilweise irre witzig verkleidet, aber hauptsächlich total am Ende, weil es dermaßen heiß heute war. Wir haben jedenfalls alle ordentlich angefeuert, wie sich das für Londoner gehört!!

Ach ihr Lieben, das war wirklich ein turbulentes Wochenende und ich weiß jetzt schon, ich werde morgen so fertig sein und mir ganz schnell das nächste Wochenende herbeisehnen.
Ich hoffe es geht euch allen gut! Ihr fehlt mir, aber sind es nur noch 70 Tage oder 10 Wochen, also echt zu schaffen!
Bis ganz bald! Eure Kathie

23.4.07 12:19

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